Archiv: Auf Reisen

  • Frommer Wunsch

    | 1 Kommentar zu Frommer Wunsch

    An alle Präsidenten-Elect, Diktatoren, ölige Potentaten und durchgeknatterte Populisten auf der ganzen Welt: Ich wünsche Ihnen einen tiefen, festen, wunderbar erholsamen Schlaf mit angenehmen, heiteren, frivolen Träumen. Mögen Sie in der Früh aufwachen, aus dem Fenster sehen, unten auf der Straße sich küssende Menschen allerlei Geschlechter entdecken, Stimmengewirr in unterschiedlichen Sprachen hören – dabei nur einen Bruchteil verstehen – und über allem ein tiefblau sich wölbender Himmel, der so schön ist, dass ihr Herz einen Sprung macht. Mögen Sie dann denken: Wow, die Welt ist eigentlich gar nicht so schlecht, direkt schön sogar. Und dann ziehen Sie mit einer sanften, fließenden Bewegung die Decke über den Kopf und schlafen mit einem Lächeln auf dem Gesicht wieder ein.

  • Amsterdamer Spitze

    | 3 Kommentare zu Amsterdamer Spitze

    Wahrscheinlich werden die meisten, die ins Amsterdamer Rotlichtviertel laufen, behaupten, dies wäre rein zufällig und ohne ihr Wissen geschehen. So wie ich. Und das an einem sommerlichen Vormittag. Man glaubt es mir vielleicht angesichts meines staunenden Gesichts, der darauf ablesbaren Verblüffung: Die leicht bekleidete Schaufensterpuppe bewegt sich! Mehr noch, sie winkt mir zu! Und in der Vitrine nebenan gleich noch eine. Und noch eine. – Mir wurde im ganzen Leben noch nicht von so vielen nackten Frauen nachgesungen. Es drängte sich sogar der Eindruck auf, dass sie nicht trotz des Rollstuhls Zeichen der Geschäftsanbahnung gaben, sondern wegen. Die Gruppe der Achtzehnjährigen, durchaus knackiger und interessierter, ignorierten sie völlig.

  • Auf Reisen: Koblenz

    | Kommentar

    Jenseits von Fußballweltmeisterschaften habe ich selten so viele Deutschlandflaggen gesehen, wie rund um den Loreley-Felsen am Rhein. Dieses Deutschland mag ich: an den Kiosken liegen auch niederländische Zeitungen aus und “Le Monde”, der Kartenabreisser auf dem Schiff parliert in mehreren Sprachen gleichzeitig und an jeder Ecke wird Heinrich Heine gedacht.

    In Koblenz dann habe ich ein wenig gechattet, um das beste Café herauszubekommen und siehe da, drei Personen waren sich einig und haben mir dasjenige empfohlen, das ich auch ausgesucht hätte. Ansonsten eine schön hässliche, kriegsversehrte, aber mit viel Lokalpatriotismus wieder zum Leben erweckte Stadt.