Archiv: BehinderungistRebellion

  • Behinderung ist Rebellion

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    Man darf es sich aber auch damit nie zu leicht machen.

    Ist das nicht gespenstisch? Im Fernsehen sehe ich die Ministerpräsidentin mit MS (es gibt nur eine) stehend und würde ihr am Liebsten einen Stuhl hinschieben. Ich traue ihr weder zu stehen, noch selbst zu wissen, wann sie das nicht mehr kann. Und noch schlimmer: ich traue ihr weniger zu als dem pausbäckigen, übergewichtigen Minister neben ihr.

    Wie stark diese Muster doch in einem sind! Ich ekle mich ein wenig vor mir selbst. Meine eigenen Ansichten halten kaum einer Belastung stand. – Wieder einmal hilft nur eines: Nachsicht mit allem, was Fehler macht.

  • Gnade mit den Nicht-Behinderten

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    Ein anderer Rollstuhlfahrer hat kürzlich angemerkt, dass manche Menschen ihm gegenüber behaupten, seine Behinderung im Laufe einer Begegnung zu vergessen. Er selbst vergesse sie niemals, für keine Sekunde. Mehr noch, diese sei und bleibe Teil von ihm. Wenn jemand sie vergesse, leugnete man einen wesentlichen Teil seiner Persönlichkeit. Was er wirklich brauche, sei eine barrierefreie Umgebung. Und nichts sonst. – Prompt hagelt es Likes und Solidaritätsbekundungen von Sympathisanten.

    Ich verstehe seine Gereiztheit und möchte sie doch nicht teilen. Man kann sich nur darüber aufregen, wenn man die Leute bewusst missversteht. Denn diese sind nicht unsere Feinde, es sind keine Ignoranten oder Schlimmeres. Zugegeben, die Nicht-Behinderten sind manchmal arg tapsig, und der Dackelblick nervt mich genauso. Aber nicht diese haben die Barrieren errichtet. Sie haben höchstens keine Ahnung davon, wie man sie abträgt. Oder kein Interesse daran. Doch das rechtfertigt nicht, dass man es sich mit ihnen verscherzt.

    Zugegeben, es ist anstrengend, immer wieder dasselbe zusagen, aber das ist nun mal unsere Pflicht. Genau wie Danke sagen. Ich kenne den Spruch, dass man gerne in einer Welt leben würde, in der man nicht an jeder Ecke um etwas bitten und sich danach bedanken müsse. Aber wir leben nicht in dieser Welt, vergesst es nicht! – Die oder der Helfende kann dafür nichts. Also, geht pfleglich mit ihren um. Wir brauchen sie spätestens, wenn wieder ein Fahrstuhl ausgefallen ist.

  • Die Rebellion geht weiter!

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    Nächstes Jahr, wenn es wieder warm ist, werden wir wieder paradieren, und zwar vom Stachus in München bis ins Westend. Falsch und richtig singend, Hauptsache weithin hörbar und angeführt von der Munich Brass Band. Ich wieder hinter den schmucken Polizisten, denn: Behinderung ist Rebellion! Also schon mal den 6. Juni mit dickem Buntstift im Kalender anstreichen.

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