Archiv: Beobachtungen

  • Bitte an die Menschheit, Fahrstühle betreffend

    | 2 Kommentare zu Bitte an die Menschheit, Fahrstühle betreffend

    Als Rollstuhlfahrer kann man gar nicht anders, als ein gespaltenes Verhältnis Fahrstühle betreffend zu entwickeln. Zum einen sind sie ja wirklich eine der großartigsten Erfindungen der Menschheit, zum anderen fehleranfällig, launisch und zickig wie die größte Diva nicht. Und sie neigen dazu, immer dann kaputtzugehen, wenn man es gerade überhaupt nicht brauchen kann. Sei es, weil es gerade in Strömen regnet und man vor der S-Bahn-Station steht, sei es, weil man gerade im dritten Stock eines Gebäudes ist und noch hinunter muss. Am Bedauerlichsten aber ist, dass das die Verantwortlichen für das Funktionieren von Liften nicht sonderlich stört. Meistens nehmen sie eher den Rollstuhlfahrer als Störung wahr als den ausgefallenen Lift. Wahrscheinlich auch, weil sich nur ersterer beschwert.

    Liebe Menschheit, bitte also noch rasch einen störungsfrei funktionierenden Lift erfinden! Danke.

  • Wo sind die Bösen?

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    Zunehmend schwieriger ist ja, die eigentlich Bösen zu erkennen. Die jämmerlichen Gestalten auf der Bagida-(oder Mügida?) Demo in meinem Viertel taugten jedenfalls nicht dazu. Am Ende gelang es ihnen nicht einmal, ihr Megaphon funktionsfähig zu bekommen. Währenddessen standen wir Guten, fein säuberlich von der Polizei getrennt, in einem Ring um sie rum, bereit, beim ersten Pieps loszulärmen. Allein, es kam nichts.

  • Die Unterarme des Schreiners

    | Kommentar

    Empfang des Oberbürgermeisters in München. Lauter Künstler, Politiker, Funktionäre. Ein paar Meter weiter steht ein junger Mann mit kurzem Hemd und wirklich beeindruckenden Unterarmen. Keine Fitnessstudio-Muskeln, sondern welche, die für irgendwas gut sind. Ich schicke – backfischfeige – meine beste Freundin los, ihn zu fragen, ob er Bildhauer sei und stelle mich dann neben die beiden. Er ist kein Bildhauer, sondern – noch besser: Schreiner. Das Gespräch vor allem mit seiner Begleitung versandet aber recht schnell. Nachdem wir uns verabschiedet haben, sagt er: “Das war jetzt wohl nicht das Gespräch über Bildhauerei, das ihr euch erwartet habt.”

    Der Satz verfolgt mich über Stunden, denn er hatte ja Recht, insofern als ich nicht ehrlich war. Irgendwann gebe ich mir einen Ruck und suche ihn in der sich auflösenden Menge. Vor ihm stehend erkläre ich:  “Was ich vorhin eigentlich sagen wollte, ist: Du hast unglaublich sexy Unterarme.” – Nachdem der Schreiner charmant beiläufig klargestellt hat, dass die Begleiterin auch seine Freundin wäre, entspinnt sich ein wunderbares Gespräch. Er behauptet, dass ich überhaupt erst der zweite Mensch in seinem Leben sei, der ihm ein Kompliment mache (an der Stelle rufe ich natürlich dazwischen “Glaub ich nicht!”) und erzählt dann, dass er jetzt zwölf Jahre Single gewesen sei. Auf einmal ist da ein Sichöffnenkönnen, das nicht übergriffig ist, sondern wertschätzend, ein Vertrauensbeweis. Und alles eingeleitet von einem etwas abgegriffenen Kompliment. Ich nehme mir vor, in Zukunft öfter übergriffig zu werden.

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