Observationen (3) wieder aus dem Café Reichshof in Haidhausen // 4.12.21

1 // Sobald man an einen Tisch Menschen aus verschiedenen Generationen entdeckt, fängt das Generationenpuzzle im Kopf um die. Verwandtschaftsverhältnisse an. Als wäre überhaupt keine andere Konstellation vorstellbar als Eltern vs. Kinder. Früher war ich immerhin öfter mal mit meinen Professoren im Café gesessen. (Und habe mich dabei ebenso geehrt wie fehl am Platz gefühlt.)

2 // Männer im Café reden entweder zu viel oder zu wenig. Besonders wenn sie älter werden. Oder die Gruppe größer ist als zwei Personen an einem Tisch übersteigt. 

3 // Auch das fast schon zwangsläufig: dass die zweite Observation aus der ersten folgt. 

4 // Wenn einem nichts mehr einfällt oder alle Observierten das Café bereits verlassen haben, ist es Zeit zu gehen. 

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Observationen (2) aus dem Café Reichshof in Haidhausen // 28.11.21

Selbst das schönste Café verliert all seinen Charme ohne Menschen darin. Selbst wenn sie einen manchmal aufregen, vor allem die Ungeimpften.

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Observationen (1) aus der Goldenen Bar im Haus der Kunst // 20.11.21

1 // Warum unterstelle ich den adrett gekleideten Hipstern um mich herum, dass sie sich selbst für das gelungenste Kunstwerk im Haus der Kunst halten? Erst als einer von ihnen wie ein Zinnsoldat zur Toilette humpelt, ist mir gleich wohler. 

2 // Ein merkwürdiger Widerspruch. Kaum beobachte ich, nehme die Welt um mich herum intensiver wahr, öffne mich, bin ich auf mich selbst zurückgeworfen. Ich bin mehr bei mir, in meiner Gedankenwelt und damit abgeschlossen von der Welt. 

3 // Ich konzentriere mich auf die Hände der Fünfergruppe an meinem Tisch. Die vielen kleinen Bewegungen, gerade wenn diese Hände sich unbeobachtet fühlen. Wie sie sich fast ununterbrochen bewegen, kommentieren, unterstreichen, auf sich aufmerksam machen, das Gegenteil behaupten. Ihr Ding machen. Fünf Menschen und soviel Gesagtes jenseits des Gesagten.